Das DZPG

Die schwerwiegenden individuellen und gesamtgesellschaftlichen Folgen psychischer Erkrankungen sind Ausgangspunkt, und deren nachhaltige Beeinflussung das zentrale Ziel des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG). Diese bestehen aus enormen Belastungen für 17.8 Millionen PatientInnen und ihren Familien in Deutschland pro Jahr, einem mit 18.9% sehr geringen Zugang der Betroffenen zu adäquater Behandlung und in dessen Folge einer erhöhten Mortalität und jährlichen Kosten von €44 Milliarden, die durch unbehandelte oder unzureichend behandelte Personen verursacht werden (DGPPN Factsheet 2022).

Diese Daten zeigen die Versorgungslücken („unmet needs“) in der Erwachsenenbevölkerung und finden sich noch ausgeprägter bei Kindern und Jugendlichen. So entstehen 50% aller psychischen Erkrankungen vor dem 15. und 75% vor dem 25. Lebensjahr (BPtK Factsheet 2022 ). Aus diesem Grunde hat das BMBF mit dem DZPG ein weiteres Gesundheitszentrum etabliert, das mit seinem Fokus auf translationale Gesundheitsforschung sicherstellen wird, dass innovative Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren für psychische Erkrankungen generiert und zeitnah in die Regelversorgung übersetzt werden. Darüber hinaus wird das DZPG Lösungen für inakzeptable gesellschaftliche Ungleichheiten in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erarbeiten. Diese gibt es sowohl in der „horizontalen Perspektive“, so z.B. zwischen den ländlichen und städtischen Lebenswelten, als auch in „vertikalen Kontexten“ z.B. bezüglich vulnerabler Gruppen (z.B. Menschen ohne Arbeit oder Menschen mit Migrationshintergrund, die besonders von psychischen Erkrankungen betroffen sind und schwieriger Zugang zu Versorgungsangeboten finden).

Um diese Versorgungslücken zu schließen, wird das DZPG ein ambitioniertes translationales Forschungsprogramm auflegen, das die Förderung von psychischer Gesundheit und Resilienz in den Mittelpunkt stellen, die gesellschaftliche Wahrnehmung psychischer Erkrankungen steigern und die durch psychische Erkrankungen verursachten Belastungen über alle Altersgruppen in den nächsten 15 Jahren positiv beeinflussen wird. Hauptpartner im DZPG sind die sechs Standorte und die Repräsentanten des Zentrumsrates. Dieses Team wird im Folgenden unter dem Kürzel „DZPG“ zusammengefasst. Der Zentrumsrat ist der Zusammenschluss der Betroffenen und Angehörigen und stellt u.a. im Rahmen der Infrastruktur „Patient and Public Involvement (PPI)“ sicher, dass die Sichtweise der Betroffenen und der Angehörigen inhaltlich wie strukturell in alle Aktivitäten des DZPG integriert wird.

Die übergreifenden Ziele des entstehenden Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) sind auch für die Anträge der Institutionen am Standort München-Augsburg (MUC-AUX) maßgeblich. Zu diesen zählen die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), die Technische Universität München (TUM), das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPIP), das Helmholtz Center München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU) und die Universität Augsburg (UniA). Eine Besonderheit am Münchner Standort ist in diesem Zusammenhang die starke bidirektionale, translationale Orientierung, die durch die Vernetzung von exzellenten Arbeitsgruppen in den Bereichen der Grundlagenforschung und klinischen Forschung entsteht. Neben der projektorientierten Förderung der ersten zwei Jahre des DZPG sollen Strukturen aufgebaut werden, die Grundlage für eine spätere institutionelle Förderung des DZPG sind. Daher wird in dem am Standort MUC-AUX geplanten Vorhaben besonderer Wert auf die Etablierung von Schnittstellen („Kristallisationspunkten“) für eine spätere optimale Vernetzung im DZPG gelegt, z.B. werden über eine zunächst noch limitierte Förderung von Infrastrukturprojekten, vorhandene Infrastrukturen auf ihre Passung im DZPG weiterentwickelt. Die Schwerpunkte des Standortes MUC-AUX liegen auf den Projekten MUC1 - MUC7 (siehe Projekte und Infrastrukturen (link to page)), die alle auf die Inhalte von Flagship 2 ausgerichtet wurden mit besonderer Betonung der Vorbereitung von Schnittstellen zum Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (DZKJ).